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Kammermusik III (2003/04)

für 10 Spieler

„Kammermusik III“ markiert zusammen mit dem kurz zuvor entstandenen „Selisih“ für Alt- und Baritonsaxophon einen neuen Ansatz in meiner Musik. Haben mich in den Werken der 1990er Jahre vor allem bestimmte Fragen der musikalischen Kommunikation, Interaktion und Interpunktion (kolotomische Strukturen) beschäftigt, so steht derzeit vor allem die individuelle Ausdrucksweise im Vordergrund. Mit anderen Worten, sprachanaloge Aspekte der Einzelstimme haben größere Bedeutung, jedoch nicht mehr primär hinsichtlich des strukturellen bzw. formalen Aspekts, sondern vielmehr hinsichtlich individueller Ausdrucksgesten, die ich als „Redensarten“ bezeichnen möchte. Dies führt unter anderem zu einer wesentlich solistischeren Präsenz der einzelnen Instrumente/Spieler. Obwohl diese „Redensarten“ an manchen Stellen ebenfalls in dialogische Beziehungen treten, so sind es doch die Individuen selbst, die im Vordergrund stehen und nur an speziellen Schnittstellen sich beispielsweise zu kollektiven „musikalische Verhaltensweisen“ verändern. Dies führt zwangsläufig auch zu einer anderen Schreibweise der Instrumentalstimme, bei der mikrotonale Flexionen und extreme Lagen eine wesentliche Rolle spielen. Mikrotonalität ist also weniger ein Element eines erweiterten Tonsystems, sondern bezieht sich auf eine differenziertere individuelle Artikulation des jeweiligen musikalischen Moments und eine direktere Körperlichkeit des Ausdrucks. Solche Artikulationsformen sind vor allem in der Spielpraxis von Blas- und Streichinstrumenten im asiatischen Raum bekannt. Es handelt sich in diesem Fall jedoch keineswegs um eine wie auch immer geartete kulturelle Adaption, sondern ausschließlich um die Differenzierung einer autonomen spieltechnischen Verfahrensweise, die in anderen kulturellen Zusammenhängen ebenso auftritt. Ich bin der Überzeugung, dass die Idee der sprachanalogen „Redensart“, der sprachanalogen Gestaltung überhaupt fast automatisch zu solchen Verfahren führen muss. Nur in wenigen Fällen (mixturartige Akkordveränderungen) ist eine genaue Umsetzung der Vierteltönigkeit im Sinne eines fixen mikrotonalen Systems intendiert. Dies ergibt sich jeweils eindeutig aus der Partitur.

 

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